Von Metrics, KPIs und Sentiments – es kommt drauf an…
Nach dem Barcamp ist mitten in den Learnings. Zwei Tage lang andauernder Input hat diverse Effekte… Hier meine persönliche Liste an Gedanken zu diesem langen Wochenende zum Monitoring BarCamp in Hamburg.
Der zentrale Punkt, an dem jede, aber wirklich jede Gesprächsrunde oder Session früher oder später landete: die Aussage “es kommt darauf an”. Es war zumeist die Antwort auf Fragen wie “was nutzt uns Monitoring?” oder “Was nutzt einem Unternehmen Social Media allgemein?”.
Das mag sich zunächst recht lapidar anhören, versucht man jedoch, eine richtige Strategie oder den richtigen Weg im Social Media Management insgesamt zu finden, so muss man sich viele viele Fragen stellen. Zunächst einmal hilft es ungemein, erkannt zu haben, dass eine Strategie überhaupt erforderlich ist. Das muntere drauf los agieren vieler Akteure mag auf den ersten Blick putzig wirken, aber das Ausmaß der Zerstörung zeigt sich oftmals erst mittel- bis langfristig.
Häufig werden KPIs und Metriken miteinander verwechselt, respektive nicht sauber definiert und folglich auch nicht sinnhaft miteinander in Verbindung gebracht. Die potenziell unendliche Diskussion in der Session mit Anja Beckmann und Markus Kucborski direkt im ersten Slot am ersten Tag hat gezeigt, dass selbst die Professionals hier ambivalente Auffassungen vertreten. Beispielsweise, ob eine Fanzahl aussagekräftig sei oder nicht – die Antwort: es kommt darauf an. Darauf nämlich, was man für ein Ziel verfolgt. Beispielsweise könnte der allerwichtigste definierte KPI die Reichweite sein. Die Metrik Fanzahl kann also durchaus relevant für diesen KPI sein. Über das Verhältnis von Qualität und Quantität zu sprechen wiederum ist an dieser Stelle ein zu vernachlässigender Punkt, denn darüber sind sich alle einig: langfristig relevant sind Fans, die interagieren, die sich wirklich identifizieren und so zum positiven Markenbotschafter werden. Aber: man braucht eine kritische Masse um überhaupt wahrgenommen zu werden.
Mal wieder deutlich wird: Pauschalaussagen helfen nicht weiter. Ein jeder Player im Social Web muss seine Ziele selbst definieren, seine KPIs bestimmen und immer wieder justieren. Nichts ist für immer und Patentrezepte schlicht nicht möglich.
Warum nicht? Weil wir über das Rohmaterial Mensch sprechen. Wir sprechen über die Kanalisierung und schließlich die Monetarisierung von Emotionen. Da diese so wachsweich sind wie ein perfektes Ei, muss man zumindest die geistige Flexibilität mitbringen, den Menschen zu begegnen – und zwar auf Augenhöhe. Denn die Transparenz im Social Web verschiebt die Machtverhältnisse. Wer das verstanden hat kann sie beeinflussen.
KPIs und wie sie miteinander korrelieren bestimmten also unser Wochenende in Hamburg.
Ebenfalls ein wichtiges Thema: wie schaffen wir Verständnis und Erkenntnis bei Kunden? Wie können wir klar machen, dass Social Media im Unternehmen nicht beim Marketing Trainee platziert sein sollte? Wie lange wird es noch dauern, bis den Unternehmen klar wird, dass die Welt der Kommunikation bereits revolutioniert wurde, sich im Rahmen des Social Web manifestiert hat und nun zur Folge hat, dass sie die gesamte Organisationsstruktur durchdringt?
Die Antwort lautet: lange.
Warum das? Weil wir dazu die lang gelernten voneinander klar abgegrenzten Funktionsbereiche verknüpfen müssen. Der Urstreit zwischen Marketing und Vertrieb ist wohl jedem inzwischen bekannt und er ist nur die Spitze des Eisbergs.
Alle Funktionsbereiche eines Unternehmens (Marketing, Vertrieb, PR/Unternehmenskommunikation, Kundenservice, Personalwesen, IT, Controlling, MaFo…) haben Interessen, die durch Social Web bedient werden (könnten) und dementsprechend auch ins Monitoring mit einfliessen müssen (Übersicht hier: http://www.webgewandt.de/wp/wp-content/uploads/2012/11/Moca12_12uhrSocMed-KPI-moca12-webgewandt.pdf). Und je größer das Unternehmen und je divergenter die einzelnen Interessen, desto schwieriger ist das.
Externe Transparenz macht also interne Transparenz notwendig.
Ein Kunde polterte einmal in einem Review-Meeting, alles was wir besprächen drehe sich um Emotionen und wo denn nun die HardFacts blieben?! Da kann man nur sagen: das ist was es ist. Die Tools der Anbieter liefern ein sehr breites Spektrum an harten Zahlen, ja. Und auch die Erfolgsmessung von integrierten Kampagnen lässt sich hier bestens durchführen – aber dennoch ist die Grundlage die Emotion der Leute, die sich mit dem Produkt, der Firma oder dem Thema befassen.
Abgesehen von prozessualen Learnings, die sich in nächster Zeit als WhitePaper oder ähnliches hier wiederfinden werden, sind es auch einige philosophische Erkenntnisse geworden, die so ein gigantischer Erfahrungsaustausch mit sich bringt.
Wichtig für mich ebenfalls: wir stellen uns alle die gleichen Fragen.
Beispielsweise ob Cat Content wirklich sein muss um den Edgerank bei Facebook zu erhalten? Katja Wenk sagt ja. Cat Content sei wie Medizin, die zwar auch mal eklig schmeckt aber eben ihre Wirkung habe… Da hat sie wohl recht, auch wenn ich zu der Strategie neige, zunächst mal zu definieren was Cat Content ist. Meiner persönlichen Definition nach, ist Cat Content dann solcher, wenn er wirklich so überhaupt gar keinen Bezug zur Firma, dem Produkt oder dem Thema hat. In allen anderen Fällen kann man durchaus Milde walten lassen
Fazit: Wir haben mit dem Web/Social Media Monitoring ein unglaublich vielseitiges und kleinteiliges Fachgebiet, dass von der Nerd-Spielerei zu professioneller Größe heranwächst und unglaublich wichtig ist, sowohl für strategische als auch operative Pläne eines Unternehmens.
Eine (vorläufige) Sammlung der Sheets die es schon öffentlich zum #moca12 gibt:
http://www.webgewandt.de/2012/11/social-media-monitoringtools-unternehmen-im-vergleich/
http://www.webgewandt.de/2012/11/monitoringcamp-2012-hamburg-moca12-session-beckmann-kucborski/
https://developers.facebook.com/docs/reference/fql/insights/
http://www.punktefrau.de/blog/2012/11/11/session-auf-dem-monitoringcamp-kostenlose-monitoring-tools/
http://info.cytrap.eu/articles/monitoring-camp-hamburg-kennzahlen-und-roi
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